Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Liebe Gäste!
Mit diesem Antrag hat die AfD endgültig ihre Maske fallen lassen. Und zwar nicht nur mit der Rede, sondern, anders als der Kollege Juhnke, sehe ich das schon sehr klar auch im Antragstext, dass Sie sich ganz klar dazu bekennen, dass Sie zurückwollen, zurück in die 1930er-Jahre.
Ganz kurz vielleicht ein bisschen zum Hintergrund zum Begriff der Werktreue: Der ist in Deutschland vor allem seit 1933 i m Nationalsozialismus verwendet worden. Einige Kollegen haben das schon sehr gut und richtig erkannt. Goethe und Schiller, die von der AfD als Schutzbedürftige ausgemacht worden sind, kannten den Begriff zwar auch schon, haben ihn aber strikt abgelehnt. Den beiden war nämlich klar, dass Kultur lebendig ist und nicht erstarrt sein kann.
Mit dem Antrag will die AfD den ersten Schritt in die Dreißigerjahre tun mit erst einmal einer Gesinnungsprüfung. Es werden nur noch die politisch genehmen Kulturschaffenden gefördert. Die Unbequemen müssen sich rechtfertigen. Die Begründung, die Mittel zu streichen, steht schon zwischen den Zeilen, und wir können uns ausmalen, was die nächsten Schritte sein würden. Danach werden dann Kunst und Kultur als entartet oder undeutsch bezeichnet werden. Dann werden die Kunstwerke verboten, und die Kulturschaffenden bekommen ein Berufsverbot. Ich höre hier lieber mal auf, denn mir dreht sich jetzt schon der Magen um. Aber diesen düsteren Schrecken atmet dieser Antrag, wenn er Fördermittel an Bedingungen knüpft, und zwar, dass die nationale, deutsche, kulturelle Identität gefördert werden muss. Ja, das steht da wirklich drin.
Da werden Kriterien für die Förderung moderner Produktionen aufgerufen wie die Publikumswirksamkeit. Da werden kulturelle Relevanz und Nachhaltigkeit der Wirkung definiert. Daran merken wir, dass die Antragsteller in einem rechten Gedankengut zwar sehr wohl gut gebildet sind, in der Berliner Kultur aber nicht.
Haben Sie die Berliner Kulturorte eigentlich wirklich schon gesehen? Haben Sie die Stücke, die Inszenierungen und das Publikum angeschaut? Wenn Sie das alles wirklich ernsthaft kennen würden, dann wüssten Sie, dass die modernsten Produktionen oft am beliebtesten sind. Die sind am bekanntesten, haben die meisten Besucher*innen. Sie sind am stärksten mit der Berliner Identität und unseren Werten verbunden, und sie setzen die kräftigsten Impulse.
Ich will hier gar nicht die ganzen unlogischen und widersprüchlichen Stellen in dem Antrag aufzeigen. Das hat teilweise auch schon der Kollege Dr. Juhnke gemacht und die Zeit würde hier sowieso nicht reichen. Auch Kunstfreiheit und Kulturfreiheit, ganz wichtige Aspekte, will ich hier erst mal herauslassen und hoffe sehr, dass die nachfolgenden Kolleginnen und Kollegen noch mal darüber sprechen werden.
Ich möchte gerne über das Herz des Theaters sprechen. Es ist eben nicht, Altes zu wiederholen. Kulturschaffende sind naturgemäß kreativ und erschaffen Neues. Das sind im Übrigen auch die urmenschlichsten Bedürfnisse und Talente: Kreativität und Transformation.
Diese Bedürfnisse wollen Sie verhindern und die Talente unterbinden – wie zutiefst unmenschlich.
In dem derzeitigen Kulturkampf spielt aber auch die CDU eine unrühmliche Rolle. Mit ihren ideologischen Streichorgien haben sie den roten Teppich ausgerollt für die rechte Ideologie. Dadurch erst glaubt wirklich die AfD noch mehr, uns vorschreiben zu können, welche Kultur das Recht auf Existenz hat und welche nicht.
Die CDU ist dafür mitverantwortlich, und das ist unanständig.
Wir sehen also in diesem Antrag mal wieder: Die AfD steht nicht für Freiheit. Sie ist nicht für Vielfalt und nicht für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Keine Überraschung. Die AfD hasst die Kultur und versucht, sie in die dunkelsten Zeiten Berlins zurückzuführen. Das empfinde ich als zutiefst abstoßend und unmenschlich.
Wir werden diesen Antrag strikt ablehnen. – Dankeschön!